Veröffentlicht: 12.05.2010

Firmen müssen sich verstärkt um Frauen bemühen - Erschienen in der Westfälischen Rundschau


Firmen müssen sich verstärkt um Frauen bemühen

Firmen müssen sich verstärkt um Frauen bemühen

Werdohl, 11.05.2010, Marcus Land

Werdohl. Vier Ausbildungsplätze schon für das kommende Jahr konnte Melanie Anlauf von der Arbeitsagentur bei der Firma Rötelmann einwerben. Am Tag des Ausbildungsplatzes für Inhaber Ludwig Kirchhoff-Stewens mehr als eine Geste.


„Man darf nicht nur für den eigenen Bedarf ausbilden!“ – Diese Maxime des Werdohler Traditionsunternehmens hat Kirchhoff-Stewens schon in seiner eigenen Lehrlingszeit im Familienbetrieb verinnerlicht. „Das ist nicht nur eine Verpflichtung für uns – wir haben auch etwas davon!“

Solche Worte in Zeiten einer eben erlebten Wirtschaftskrise hörte Stephanie Herrmann, Bereichsleiterin der Agentur für Arbeit, natürlich gern. Schließlich ging die Zahl der gemeldeten Berufsausbildungsstellen im Bereich der Geschäftsstelle Werdohl/Neuenrade um nicht weniger als 25 Prozent zurück.

25 Prozent weniger Lehrstellen

Bei Rötelmann spielt der Anteil von 25 Prozent auch eine Rolle: Sogar mehr als ein Viertel der 90 Mitarbeiter haben bereits ihre Ausbildung bei dem Spezialisten für Absperr- und Steuertechnik gemacht. Seit 2004 arbeitet der Hersteller von Kugelhähnen beim Auswahlverfahren für Azubis eng mit der Agentur zusammen: Rötelmann bereitet Eignungstests für die Ausbildungen zu Industriekaufleuten und Zerspanungsmechanikern sowie für den Verbundstudiengang zum Ingenieur vor, die Agentur übernimmt das Testprozedere.

Bei bis zu 250 Bewerbungen eine spürbare Entlastung für den mittelständischen Betrieb. Sehr gute Erfahrungen hat Rötelmann mit einer weiteren Kooperation gemacht: Schüler der Realschule besuchen regelmäßig den Betrieb, das Unternehmen stellt sich im Gegenzug in der Schule vor.

Ergebnis: Zwei Realschüler absolvieren derzeit ihre Ausbildung in Dresel. Dass es auch anders laufen kann, zeigt eine kurzfristige Absage trotz unterschriebenen Ausbildungsvertrages. „Wir haben uns darüber extrem geärgert, denn diese Bewerber nehmen ihren Schulkollegen die Plätze weg“, sagt Stefan Wesner, Verwaltungsleiter bei Rötelmann.

Bald bewerben sich Firmen bei Azubis


Acht Azubis beschäftigt man, davon zwei in einer Anlernqualifizierung in Zusammenarbeit mit der SIHK. Die hohe Ausbildungsquote nötigt auch Bürgermeister Siegfried Griebsch, der gemeinsam mit Neuenrade zur 1. Berufsorientierungsmesse eingeladen hat, Respekt ab. Ein örtlich verwurzelter Mittelständler, der auch in der Krise seine Mitarbeiter hält: „Das täte Werdohl in der Mehrzahl gut“, meinte Griebsch und nannte ThyssenKrupp Bilstein als Gegenbeispiel.

Viel auszubilden sollte nicht das einzige Credo sein: Der Bevölkerungsrückgang zwingt auch zu einem Umdenken. „In zehn, fünfzehn Jahren wird man nicht drum herum kommen, massiv auf Frauen zu setzen“, weiß Ludwig Kirchhoff-Stewens. Bis dahin gilt, mit einem Irrglauben aufzuräumen: Schmutzige Arbeit ist Vergangenheit, Werkhallen sind heute meist blitzblank. Gelingt das Umdenken nicht, ist nicht ausgeschlossen, was der Rötelmann-Chef nicht nur im Spaß bemerkt: „In zehn Jahren werden sich die Firmen bei den Azubis bewerben – und bei den Frauen.“


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